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Bad Oeynhausen: Bahnhof soll barrierefrei werden

Presse


Inge Howe, Vorsitzende des Petitionsausschusses (r.), mit Demonstranten im Bahnhof Bad Oeynhausen. (FOTO: NW/SIELERMANN)

Über 100 Betroffene beim Anhörungstermin mit dem Petitionsausschuss / Aufzüge sollen im Juni fertig sein

Bad Oeynhausen. Pfiffe, Plakate, harsche Worte: Peter Kradepohl, Leiter des Regionalbereichs NRW bei der Bahn, hat sicher schon herzlichere Empfänge erlebt als gestern am Bahnhof Bad Oeynhausen. Hier schlug ihm der geballte Unmut von mehr als 100 Menschen mit Gehbehinderungen, viele davon im Rollstuhl, entgegen. Kradepohl versprach: „Bis 30. Juni 2009 sind die Aufzüge zu den Bahnsteigen fertig.“

Inge Howe, Vorsitzende des Petitionsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag, hatte den Bahnvertreter zum Ortstermin nach Bad Oeynhausen eingeladen. „Hat die Bahn kein Herz für Behinderte?“ fragten einige der Betroffenen auf Plakaten oder zeigten dem Bahnvertreter gar die „rote Karte“. „Ich würde gern auch von Bad Oeynhausen mit dem Zug fahren können“, erklärte Robert Block. Der 15-Jährige ist Schüler der Schule am Weserbogen und demonstrierte, weil er hofft, „dass wir es schaffen, die Aufzüge doch noch in diesem Jahr zu bekommen“.

Hintergrund: Im vergangenen Jahr hatte die Bahn schriftlich zugesichert, Aufzüge zu Gleisen noch in diesem Jahr zu bauen. Im Mai aber hatte sie das Versprechen zurückgenommen (wir berichteten). In der Modernisierungsoffensive, bei der 100 Bahnhöfe in NRW bis 2013 umgestaltet werden sollen, ist Bad Oeynhausen vertreten. „Wir werden die beiden Aufzüge vorziehen und Anfang des Jahres mit dem Bau beginnen“, erklärte Kradepohl. 480.000 Euro pro Stück kalkuliert die Bahn für die Aufzüge.

„Wer soll Ihnen denn diese Märchen noch glauben?“ rief da empört Ratsherr Rainer Müller-Held (Grüne). Und auch Wilhelm Brandt, Vorsitzender des Behindertenbeirates, erklärte: „Ich glaube gar nichts mehr. Wir wollen jetzt Taten sehen.“

„Ich kann den Ärger der Menschen 100-prozentig verstehen“, versicherte Kradepohl. Aber Bad Oeynhausen sei leider kein Einzelfall. „Dass hier großer Bedarf für einen behindertengerechten Ausbau besteht, das haben wir gesehen“, sagte er. Deshalb sei Bad Oeynhausen ja auch in das Modernisierungsprogramm aufgenommen, das einen kompletten behindertengerechten Umbau mit einem geschätzten Kostenvolumen von 5,3 Millionen Euro vorsieht. Doch wo Bad Oeynhausen auf der Prioritätenliste landet, sei noch nicht klar.

„Wir werden erstmal der Bahn vertrauen, dass sie ihre Zusagen einhält“, sagte Gerhard Göttsche, der die Petition beim Land eingereicht hatte. „Und wenn die Aufzüge nicht wirklich bis Ende Juni 2009 fertig sind, dann wird sich der Landtag mit dem Fall befassen“, versprach Inge Howe. „Und dann scheuen wir auch nicht davor zurück, auf Mehdorn zuzugehen.“ Im Petitionsausschuss werde sie voraussichtlich im September über den Ortstermin in Bad Oeynhausen berichten. Eine gute Nachricht hatte die SPD-Landtagsabgeordnete für die Schule am Weserbogen. Die hatte für März einen Ausflug der 9. Klasse mit der Bahn geplant. „Ohne Aufzüge müssen wir unseren Ausflug wohl ganz umplanen“, hatte Lehrerin Ute Busse befürchtet. „Die Bahn hat zugesichert, dass sie hier für eine Lösung sorgen wird, so dass die Schüler mit der Bahn fahren können“, so Howe.

Quelle: NW - Bad Oeynhausener Kurier, Mittwoch 13. August 2008

»Auch wir wollen mit der Bahn fahren!«

Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte protestieren vor dem Petitionsausschuss

Bad Oeynhausen (WB). Der Petitionsausschuss des Landtages hat gestern den Nordbahnhof besucht -und alle Rollstuhlfahrer kamen hin. Dieser Eindruck entstand jedenfalls angesichts der hundert Protestler, die ihren Unmut mit Transparenten und Rasseln ausdrückten. »Wir wollen Bahn fahren!«, war ihre zentrale Forderung.

Wilhelm Brandt, Vorsitzender des Behinderten-Beirates, war begeistert, dass so viele Menschen die Forderung nach einem Aufzug unterstützen: »Jetzt wird es auch endlich Zeit.« Denn ein direkter Zugang zu den Gleisen ist für gehbehinderte Menschen am Nordbahnhof seit Jahren nicht möglich. Weil auch noch der behelfsmäßig genutzte Lastenaufzug im vergangenen Jahr kaputt gegangen ist, werden Rollstuhlfahrer derzeit nach Voranmeldung von den Johannitern zum Mindener Bahnhof gefahren.

»Ich möchte aber von Bad Oeynhausen aus mit der Bahn reisen. Es wird allerhöchste Zeit, dass die Aufzüge kommen«, sagte Ilse Gräber (78). Und Isabell Andes (17) von der Schule am Weserbogen: »Auch mit meinem Rolli möchte ich alleine überall hinkommen können. Das ist im Moment aber alles sehr kompliziert mit dem Fahrdienst.«
Auch wenn die Deutsche Bahn bereits angekündigt hat, zwei neue Aufzüge zu bauen: Der Ist-Zustand hat gestern viele Menschen vom Wittekindshof sowie Schüler und Betreuer der Schule am Weserbogen zum Protest bewegt. Und der war vollkommen friedlich. Eine Polizeistreife sowie gleich zwei Fernsehteams des WDR waren ebenfalls vor Ort.

Den Düsseldorfern sowie den heimischen Politikern zeigten die gehbehinderten Bürger allein durch ihre Präsenz, wie wichtig ihnen die barrierefreie Umgestaltung des Bahnhofes ist. Mittels Transparent gab es eine »Rote Karte für die Bahn«. Bahn-Vertreter Peter Kradepohl, Regionalbereichsleiter West, musste lesen, dass die Deutsche Bahn »kein Herz für Behinderte« habe. Kradepohl setzte dem die konkreten Planungen entgegen und präsentierte der Vorsitzenden des Petitionsausschusses, Inge Howe, die Pläne der Bahn: zwei Aufzüge, die vom Gleistunnel aus direkt zu den Bahnsteigen führen (das WESTFALEN-BLATT berichtete am 20. Mai).

»Anfang 2009 wird mit der Detailplanung begonnen, und Ende Juni 2009 sollen die Aufzüge laufen«, sagte Peter Kradepohl. Etwa eine Million Euro wird der Bau kosten.

Diese Zusage griff Inge Howe, gleichzeitig heimische SPD-Landtagsabgeordnete, vor den Protestlern auf: »Ich verspreche, dass sich andernfalls das gesamte Parlament der Sache annimmt und wir damit bis direkt zu Bahnchef Hartmut Mehdorn in Berlin gehen werden.«

Annette Gregor aus dem Landesbauministerium hatte sich zuvor im Gespräch mit Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann, Wilhelm Brandt vom Behindertenbeirat sowie Gerhard Göttsche vom Freundeskreis der Rollstuhlfahrer auch über die Verzögerung des Aufzugseinbaus unterhalten.

Die entsprechenden Mittel müssten beim Bund beantragt werden, und auch Zweckverbände hätten ein Wort mitzureden, sagte Gregor. Das konnte aber Gerhard Göttsche, der sich 2007 an den Petitionsausschuss gewandt hatte, nicht beruhigen: »Und deshalb müssen die Behinderten dann nochmals länger warten? Das darf doch nicht wahr sein!«

Inge Howe schaute sich gemeinsam mit ihrem Düsseldorfer Begleiter Günter Gross auch die lange übergangsweise genutzten Lastenaufzüge sowie die Rampe an, die inzwischen komplett mit Unkraut zugewuchert ist. »Eine Stadt ohne Stufen, wie einmal der Slogan war, ist Bad Oeynhausen schon lange nicht mehr«, sagte Howe. Neben Gehbehinderten und Rollstuhlfahrern hätten es am Bahnhof auch Mütter mit Kindern schwer. Auch sie müssten ihre Kinderwagen die vielen Stufen zu den Gleisen hochtragen.

Inge Howe hofft, dass die Bahn den beiden Aufzügen jetzt tatsächlich Priorität einräumt, bevor dann die Bahnsteige im Rahmen der ebenfalls geplanten Gesamtsanierung für weitere gut vier Millionen Euro erhöht werden.

Wilhelm Brandt machte seinem über Jahre aufgestauten Frust am Ende des Besuchs noch einmal Luft: »Ich glaube gar nichts mehr. Ich möchte Taten sehen.« Und der Applaus und die Beifallsrufe dazu im engen Gang des Nordbahnhofs zeigten den Düsseldorfer und heimischen Politikern, dass er in Bad Oeynhausen mit dieser Meinung nicht allein steht.

Quelle: WB - Oeynhausener Anzeiger, Mittwoch 13. August 2008