"Beim Zentralabitur tauchen auch in diesem Jahr täglich neue Probleme auf. Nach der ersten Pannenserie durch falsche oder unzureichende Aufgabenstellungen folgt nun der nächste Paukenschlag: Offensichtlich waren die Prüfungen in einigen Fächern zu schwer bzw. zu umfangreich. Selbst sehr gute Schülerinnen und Schüler sind an ihre Grenzen gestoßen.
Doch anstatt die Fakten auf den Tisch zu legen und Lösungsvorschläge zu präsentieren, wiegelt das Schulministerium die Kritik nur ab", erklärte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ute Schäfer, nachdem bekannt wurde, dass die Pannenserie beim zweiten Durchgang des Zentralabiturs in Nordrhein-Westfalen nicht abreiße.
Die SPD-Bildungspolitikerin verwies zudem auf Medienberichte, demnach Lehrer- und Elternvertreter eine scheinbar systematische Leistungsverschärfung bei den Abituraufgaben festgestellt hätten. "Demnach ist nicht nur eine nur schwer bis gar nicht lösbare Mathematikaufgabe das Problem. Vielmehr sind auch in den naturwissenschaftlichen Fächern, in Erziehungswissenschaften, in Deutsch und im Bereich der Fremdsprachen die Aufgaben viel zu umfangreich gestaltet worden", ergänzte Schäfer.
Das Ziel, wie beim ersten Durchgang des Zentralabiturs anspruchsvolle und leistbare - also faire - Aufgaben zu stellen, sei nicht erreicht worden. "Die Schulministerin muss endlich Klarheit schaffen und sagen, was im Einzelnen schief gelaufen ist. Doch stattdessen ruft sie die Eltern quasi zur Klage auf und verweist hierbei auf die Lehrkräfte, um sich aus dem Schussfeld zu nehmen. Sie schiebt damit den Lehrerinnen und Lehrern den schwarzen Peter zu", kritisierte Schäfer.
Diese Umstände müsse man in Zusammenhang mit den erstmaligen und wahrscheinlich auch letztmaligen sechs Kopfnoten im Abiturzeugnis sehen, erläuterte Schäfer: "Die rund 60.000 Schülerinnen und Schüler, die dieses Jahr ihr Abitur machen, werden doppelt benachteiligt. Ein verschärftes Abitur und sechs Kopfnoten sind eine schwere Hypothek, die diesem Abschlussjahrgang durch die schwarz-gelben Experimente in der Bildungspolitik mit auf den Weg gegeben wird."