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Arbeitsminister Guntram Schneider besucht Betriebsversammlung bei Fennel
Bad Oeynhausen-Wulferdingsen. Am gläsernen Firmenschild haben sich Eiskristalle gebildet - kalte Zeiten auch und gerade in Wulferdingsen, wo 357 Beschäftigte des Möbel-Zulieferers Fennel von der Insolvenz betroffen sind (die NW berichtete). Gestern versuchte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider ein wenig Wärme zu verbreiten, nachdem am Montag vor drei Wochen Insolvenzverwalter Dr. Norbert Westhoff vom Rückzug des Investors erfahren hatte. "Sollte", so Schneider, "doch noch etwas möglich sein, wird sich das Land mit einer Bürgschaft beteiligten."
Innerhalb der nächsten 14 Tage werde eine Machbarkeitsstudie erstellt, die zeigen soll , ob und wie bei Fennel noch etwas gehe. "Verhalten und vorsichtig" habe sich der Minister den Beschäftigten gegenüber gegeben, so SPD-Landtagsabgeordnete Inge Howe, die mit ihrem Fraktionskollegen Günter Garbrecht für die Fennel-Belegschaft den Kontakt zum nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium hergestellt hatte. Howe: "Man greift nach dem letzten Strohhalm."
Dieser letzte Strohhalm sollte nun der stattliche Düsseldorfer Minister sein. Der begrüßte gut 300 Mitarbeiter in der bis auf den letzten Stuhl besetzten Firmen-Halle 6 auf dem Fennel-Betriebsgelände - und blieb vor allem sachlich. "Er könne nichts versprechen, man müsse realistisch bleiben", schilderte Betriebsratsvorsitzender Rüdiger Velten später das Geschehen.
"Wir wissen jetzt, dass alle Möglichkeiten geprüft werden sollen. Wir wissen auch, dass das mit allen Beschäftigten nicht gehen wird", sagte Velten, der immerhin "ein kleines Fünkchen Hoffnung" ausgemachte. "Der Minister hat zwar keine Versprechen abgegeben. Es gibt aber doch einen Unterschied zum Insolvenzverwalter. Der teilte uns nur noch mit, dass abgeschlossen und abgewickelt wird. Jetzt wissen wir, dass wir die Unterstützung der Politik haben."
Diese Politik könne laut Inge Howe sicherlich nicht die Fehler des Managements ausgleichen. "Wir wollten zeigen, dass die Mitarbeiter nicht allein stehen." Minister Guntram Schneider habe keine unerfüllbaren Hoffnungen wecken wollen. Doch auch er setze vorerst zum Erhalt der Arbeitsplätze auf die Machbarkeitstudie.
Den symbolischen Schulterschluss mit den Beschäftigten demonstrierte auch Landrat Dr. Ralf Niermann: "Wenn ein Unternehmen in die Insolvenz gehen muss, ist das immer ein großer Verlust für uns im Mühlenkreis. Der heutige Besuch des Ministers Guntram Schneider zeigt, welchen Stellenwert das Unternehmen Fennel auch überregional hat."
Niermann hoffte, dass sich für die Beschäftigten möglichst bald neue Perspektiven eröffnen mögen. Und er fühlte mit: "Am schlimmsten ist, dass jetzt viele engagierte und qualifizierte Mitarbeiter mit ihren Familien ausgerechnet kurz vor Weihnachten in eine unsichere Zukunft blicken müssen."
Der Minister mochte derweil kurz vor dem Fest keine frohe Botschaft verkünden. Immerhin nährte er das Fünkchen Hoffnung, falls es eine Lösungsmöglichkeit zum Erhalt der Arbeitsplätze geben sollte. Guntram Schneider: "Am Land wird es nicht scheitern."