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Kandidaten machen ihre Positionen deutlich

Presse

Podiumsdiskussion auf Einladung der Wicherngemeinde - Schulsystem und Arbeitspolitik sind wichtige Themen

Bad Oeynhausen (WB). Über die Zukunft des Schulsystems, Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit oder auch mögliche Hilfestellungen für finanziell angeschlagene Kommunen haben die Landtagskandidaten von Bündnis 90/Grüne, CDU, FDP, Die Linke und SPD am Donnerstag auf Einladung der Wicherngemeinde diskutiert. Etwa 50 Interessierte nahmen an der aktuellen Runde im Gemeindehaus an der Wichernstraße teil.

Von Pfarrer Rainer Labie, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Kirchenkreis Vlotho, durch Stichworte zu unterschiedlichen politischen Themenfeldern angespornt, entspann sich sowohl unter den Gästen auf den Podium als auch im Zwiegespräch mit den Zuhörern ein lebhafter Meinungsaustausch. Sowohl Inge Howe (SPD), Bettina Fuhg (Bündnis 90/Grüne), Jannik Seidler (Die Linke) und Karl Erich Schmeding (CDU) aus dem Wahlkreis 89, zu dem auch Bad Oeynhausen gehört, als auch Malte Rötz (FDP) aus dem benachbarten Wahlkreis 88, der in Vertretung von Kai Abruszat an der Veranstaltung teilnahm, machten dabei ihre bisweilen gegensätzlichen Positionen deutlich.

Zukunft des Schulsystems

Bei der Einführung des so genannten G 8-Abiturs bereits nach zwölfjähriger Schulzeit hat die schwarz-gelbe Landesregierung laut Malte Rötz (FDP) einen »guten Job« gemacht. »Dadurch haben junge Leute bessere Möglichkeiten, sich den europäischen Arbeitsmarkt zu erschließen«, sagte der 28-Jährige. Ähnlich äußerte sich Karl Erich Schmeding (CDU). »Die Verkürzung der Schulzeit war nötig, weil sie bei den umliegenden Bundesländern und auch im Ausland bereits praktiziert wird«, erläuterte der 58-Jährige.

Eine Abschaffung des gegliederten Schulsystems forderte Jannik Seidler. Hauptschule und Realschule sind aus Sicht des 18-Jährigen überflüssig. Stattdessen möchte er ein »Gymnasium für alle« einführen. Nicht ganz so rigoros sind die Vorstellungen von Inge Howe (SPD) und Bettina Fuhg (Bündnis 90/Grüne).

Das Rad der Zeit lasse sich nicht zurückdrehen, stellte die Sozialdemokratin fest. »Es sollte aber möglich sein, entweder nach zwölf oder 13 Jahren Abitur zu machen. Wie ihre Kollegin von den Grünen macht sich die 57-Jährige zudem dafür stark, dass Kinder mehr Zeit als die bisherigen vier Grundschuljahre gemeinsam lernen, bevor sie die Schule wechseln.

»Arbeit für alle«

Durch Bürokratieabbau hat die Landesregierung laut Malte Rötz (FDP) dazu beigetragen, dass in NRW zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden sind. Jannik Seidler (Die Linke) ist das nicht genug. »Wir fordern die Einführung eines Mindestlohnes und die Anhebung der Hartz-IV-Sätze, um die Kaufkraft der Menschen zu vergrößern und so neue Jobs zu schaffen«, erläuterte der 18-Jährige.

»Gute Arbeit für alle«, forderte Inge Howe (SPD). Dieses Prädikat verdienen ihrer Ansicht nach alle Jobs, bei deren Ausübung sich soviel Geld verdienen lasse, dass es möglich sei, davon zu leben. Weiteres Potenzial für neue Arbeitsplätze sieht Bettina Fuhg (Bündnis 90/Grüne) insbesondere in den Bereichen Klimaschutz und Gebäudesanierung. »Wenn wir die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten reduzieren, steigt automatisch die Kaufkraft«, ist sich die 47-Jährige sicher. Für Karl Erich Schmeding (CDU) sind auch zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse eine Option. »Hauptsache die Menschen haben Arbeit«, begründete der 58-Jährige seine Meinung.

Finanzhilfe für Kommunen

Bezogen auf die angespannte Finanzsituation vieler Städte und Gemeinden stellte Bettina Fuhg (Bündnis 90/Grüne) fest: »Kommunen sind keine Wirtschaftsunternehmen, sie müssen immer handlungsfähig sein.« Das möchte Jannik Seidler (Die Linke) über einen Entschuldungsfond erreichen. »Außerdem müssen die Bürger einen klareren Einblick erhalten, wo ihr Geld bleibt.«

Im Verlauf der zweistündigen Podiumsdiskussion wurden die Landtagskandidaten mit weiteren Themen konfrontiert: Auch ihre Positionen zu Studiengebühren, zur Situation von Senioren und Behinderten innerhalb der Gesellschaft sowie zur Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes machten die Diskutanten deutlich.

Westfalen-Blatt vom 17.04.2010