SPD-Landtagsfraktion informierte vor Ort in Oberlübbe
Minden/Hille (hn). Wird es die Schule der Zukunft? Löst sie die Probleme mit der Hauptschule? Das Pilotprojekt Gemeinschaftsschule in NRW findet viel Interesse bei Pädagogen wie Kommunalpolitikern.
Das war auch bei einer Informationsveranstaltung zu spüren, die die SPD-Landtagsfraktion am Donnerstag in der Bildungsstätte Alte Lübber Volksschule in Oberlübbe anbot. Nicht nur aus der Region, sondern sogar aus Mönchengladbach waren Interessierte gekommen, um bei "Fraktion vor Ort" zu hören und zu diskutieren, ob die neue Schulform etwas für ihren Ort sein kann.
Rede und Antwort standen den Wissbegierigen die Schul-Experten Ministerialrat Ulrich Thünken von der Projektgruppe Gemeinschaftsschule des Schulministeriums und die drei Landtagsabgeordneten Marlies Stotz, Angela Lück und Inge Howe als heimische Vertreterin.
"Gemeinschaftsschule optimiert das System"
"Gleiche Chancen für alle -wohnortnah", der Slogan, mit dem die neue Landesregierung für ihr Schulprojekt wirbt, ist die knappste Zusammenfassung der Ziele. Bei sinkenden Schülerzahlen sei dies gerade im ländlichen Raum ein Thema, sagt Howe. Diese Vorgabe dürfe aber nicht dazu führen, dass, weil weniger Kinder in einer Schule sind, das Bildungs- und Fächerangebot zu schmal ist. Also müssten mehrere bisher in vielen Orten getrennte Schulformen wie Haupt- und Realschule zusammengefasst werden, die unterstützt durch eine verbesserte Lehrerversorgung und kleinere Klassen (bis 23 Kinder) ein gemeinsames Lernen und besseres Fördern bis zum Ende des 7. Schuljahres ermöglichten, so der zweite Aspekt der Idee der beiden Regierungsparteien.
Die Lebensentscheidung für den weiteren Bildungsweg schon im Alter von zehn Jahren nach der Grundschule zu treffen, sei anachronistisch, nicht erst nach neuesten Erkenntnissen der Lernforschung ein Relikt aus vorigen Jahrhunderten. Die Erfolge von Ländern mit längerem gemeinsamen Lernen bei den Pisa-Vergleichen zeige das. Und NRW sei ja in Deutschland nicht das erste Bundesland, verwies Thünken auf die CDU-regierten Länder Sachsen und Schleswig-Holstein sowie das Land Berlin, wo man schon weiter ist.
"Die Gemeinschaftsschule ist keine fünfte Schulform, sie optimiert das bestehende System, das nicht mehr internationalen Standards entspricht," sagte Thünken. Das Interesse sei groß in den Städten und Gemeinden, die sehr viel Raum für eigenständige Entscheidungen unter Berücksichtigung der individuellen örtlichen Gegebenheiten bekämen. 17 Schulen in 19 Standorten nehmen ab kommendem Schuljahr am "Gemeinschaftsschul-Projekt" teil. Erstens sei ein Pilotprojekt immer beschränkt und zudem sei auch die Zeit in den Kommunen für Entscheidungen knapp gewesen, die neue Landesregierung habe schließlich erst nach den Sommerferien konkreter planen können.
Eltern sehen auf Erfolge in Skandinavien
Aber in 40 bis 50 Kommunen habe man schon Vorüberlegungen eingeleitet, ob die Gemeinschaftsschule ab Schuljahr 2012/2013 eine Option sei, aktuelle oder mit dem demografischen Wandel sich verstärkende Schulprobleme zu lösen. Angela Lück betont ausdrücklich: "Es ist ein Angebot der Landes-Schulpolitik an die Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden." Howe berichtet von "vielen Nachfragen aus den Räten" und die schulpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Marlies Stotz, weiß von großem Interesse bei den Bürgern. "Die Eltern sehen auf die Pisa-Erfolge in Skandinavien und fragen nach Informationen zur Gemeinschaftsschule."
Quelle: Mindener Tageblatt vom 29.01.2011