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Forum "Weserzukunft" zeigte Chancen und Möglichkeiten zur Entwicklung des Flussgebietes ebenso auf wie Grenzen

Minden (mt). Eigentlich wollen sie alle nur das eine, diejenigen, die zum "Forum Weserzukunft" zusammengekommen waren: Die Menschen und den Fluss enger zusammen bringen. Über Schwerpunkte und Wege muss man sich jedoch noch einig werden.

Die Stadt Minden und die "Weserfreunde" hatten interessiertes Fachpublikum zur Tagung in die ehemalige Löfflersche Saftfabrik geladen. Nach thematisch breit gefächerten Referaten wurde hier lebhaft diskutiert.

Muss die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung zustimmen, wenn die Weserfreunde Befestigungssteine ausdem Fluss holen und Buhnen entfernen wollen? Das nämlich würde die engagierte Gruppe aktiver Mindener Fachleute und interessierter Laien gern tun. Denn sie haben zwar schon zweimal einen Badestrand aufgeschütttet, das Vergnügen im kühlen Nass trüben jedoch jeweils die spitzen Steine im Wasser.

Klar eigentlich, dass sich Henning Buchhholz, Leiter des Wasser- und Schiffahrtsamtes in Minden, da eher bedeckt hält. Ist es doch gesetzlich festgelegte Aufgabe seines Amtes, den Schiffsverkehr sicher zu stellen. Und dafür wird eine bestimmte Wassertiefe benötigt. Die wiederum kann der Flusss nur liefern, wenn er entsprechend gezähmt wird.

Doch wieviel Schiffe fahren überhaupt noch auf der Weser? Detflef Sönnichsen (Weserfreunde) zeigte sich überzeugt: So wenig, dass es überhaut nicht mehr gerechtfertigt ist, die Weser in ein künstliches Korsett zu zwängen. Vehement argumentierte er für eine Freigabe des natürlichen Verlaufs. Immerhin habe doch der Schiffslastverkehr in den vergangenen Jahrzehnten drastisch abgenommen.

Fragt sich nur, ob das so bleibt: So soll doch gerade der Hafen in Minden zu einer wichtigen Hinterland-Anbindung für die Seehäfen werden - und ist auf dem besten Wege dazu, wie Bürgermeister Michael Buhre betonte. Um die Rolle der "Lebensader Weser" geht es darum auch, wenn aktuell über die Innenstadtentwicklung diskutiert wird.

Dabei nicht die Belange des Naturschutzes zu vergessen, das forderte Simon Christian Henneberg, Flussgebietsgemeinschaft Weser. Sieben Bundesländer versuchen in dieser Gemeinschaft, miteinander zu einem Weg in die Zukunft zu finden. Dabei sind Belange von Tourismus und Industrie ebenso zu berücksichtigen wie die des Bergbaus, der Landwirtschaft und der Schiffahrt. Haupt-Handlungsfelder: Salzeinleitung, Nährstoffeinträge, Durchgängigkeit für Wanderfische und Funktionalität als Wasserstraße. In Runden Tischen wird diskutiert, dabei geht es auch um Vorschläge zu lokalen und regionalen Einzelmaßnahmen.

Die Weser anders zu sehen, das forderte Mindens Beigeordneter Klaus-Georg Erzigkeit. Der Fluss sei keine Rinne für Salz- und Schiffsfrachten oder eine Trennlinie zwischen Stadtteilen. "Wir wollen die Weser als öffentlichen Raum", sagte er, als einen Ort der Inspiration. Für ihn wichtig: "Das Bewusststein der Bedeutung und Qualität dieses Flusses ist in Minden am Wachsen."

Doch die Landespolitik müsse sich auch einbringen, findet Erzigkeit. Das wollten sie gern tun, sagten die im Publikum anwesenden Landtagsabgeordenten Inge Howe (SPD) und Friedhelm Ortgies (CDU). Allerdings müssten sich die Mindener erst einmal einig werden, was sie wollten, fuhr Ortgies fort. Eine Landesgartenschau, wie sie die "Weserfreunde" bereits in die Diskussion gebracht hätten, sei beispielsweise ein Motor für die Region und durchaus empfehlenswert. Entschieden werden muss bis Ende 2010, ob sich Minden bewerben will.

Die Vertreter der Ratsfraktionen im Publikum hatten zahlreiche Anregungen zur Verbesserung der Situation zwischen Weser und Stadt: Besonders der trennenden Klausenwall stelle ein Problem dar, so Edith von Wrisberg (MI). "Lasst uns über einen Tunnel nachdenken" regte sie an. Egon Stellbrink (CDU) fand es schade, dass Minden von der Weser aus nicht wahrnehmbar und sichtbar ist. Ein Auslichten des Glacis könnte Abhilfe schaffen, überlegte er laut.

Aus dem Publikum kamen ferner Bedenken wegen der Sicherheit des Badens in der Weser. Für Diskussionstoff sorgte letzlich auch Sebastian Richters Modell eines Hochwasserparks. Der würde für Besucher aus Nah und Fern den Fluss und sein Umfeld nochmal ganz anders erlebbar machen - wird aber wohl vorerst Vision bleiben.

Die Diskussion wird weiter gehen - sicher auch am Badestrand. Denn den werden die Weserfreunde Ende des Monats wieder offiziell eröffnen.

Aus: MT-Online von 22.05.2008