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Auf Kosten der Kurstadt

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Foto: Erich Westendarp / pixelio.de

Anzeichen zum Ausbau der Südbahn verdichten sich / IHK und Regionalrat für Anpassung der Nordschiene

Bad Oeynhausen. Die Bahn kommt. Dieser frühere Werbeslogan wird in Bad Oeynhausen mit Grausen wahrgenommen, nachdem Pläne des Bundesverkehrsministeriums bekannt wurden, wonach die Südbahnstrecke für den Güterverkehr ausgebaut werden soll.

Mit dem Thema beschäftigten sich diese Woche die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bielefeld und gestern der Regionalrat in Detmold. Beide Gremien stehen an der Seite Bad Oeynhausens und wollen an der Nordtrasse über Minden festhalten. Unterdessen wird immer deutlicher, dass die Südvariante preisgünstiger zu bauen und bedienen wäre. Auf Kosten der Kurstadt.

Die Bad Oeynhausener befürchten nach der Nordumgehung eine weitere Lärmquelle, bedingt durch einen Ausbau der Südbahn auf zwei Spuren und der damit verbundenen Verlagerung des Güterverkehrs. Noch sind es - wie berichtet - etwa zwei Güterzüge, künftig könnte diese Zahl auf über 100 steigen. Täglich.

Inzwischen formiert sich Gegenwehr. Der Kommunal-Politik schlossen sich die SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm, Inge Howe und Angela Lück an. Sie äußerten ihre Bedenken in einem Schreiben an NRW-Verkehrsminister Harry Voigtsberger, der sich in der nächsten Verkehrsministerkonferenz für den bestehenden Ausbau der Stecke Minden - Seelze und gegen die Neubewertung der Südtrasse zwischen Löhne und Hameln einsetzen soll.

Das gleiche Ziel verfolgt die IHK, die auf ihrer jüngsten Vollversammlung eine Resolution zur Aufnahme der Neu- und Ausbaustrecke Minden - Seelze beschloss. Diese nach wie vor zweigleisige Strecke gehöre schon heute mit mehr als 100.000 Zügen pro Jahr zu den am stärksten genutzten in Deutschland und müsse dringend auf vier Gleise ausgebaut werden.

"Allerdings habe", schreibt IHK-Sprecher Jörg Deibert, "die aktuelle Überprüfung des Bedarfsplanes für die Bundesschienenwege durch das Bundesverkehrsministerium für die Beseitigung dieses Schienenengpasses ein schlechtes Nutzen-Kosten-Verhältnis ergeben."

Die regionale Wirtschaft steht auf Seiten der Kurstadt und fordert den Bundesverkehrsminister auf, die Position zur Südbahn fachlich zu überprüfen. Wörtlich heißt es: "Die IHK wird die Resolution gemeinsam mit den benachbarten IHKs Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Nord Westfalen und Lippe an die politischen Verantwortlichen senden und nachdrücklich für den Ausbau der Nord-Strecke werben."

Auch der Regionalrat, ein beratendes parlamentarisches Gremium bei der Bezirksregierung Detmold, spricht sich für den Ausbau der Strecke Minden-Seelze aus. Vertreter von Kreisen und Städten der Region forderten das Bundesverkehrsministerium auf, den Abschnitt wieder in die Planung auf zu nehmen. Ernst-August Schrewe (CDU) sagte, wenn Güterzüge über die Südstrecke rollen würden, nehme die "Lärmbelästigung so zu, dass man den Badeort in Frage stellen müsste."

Mit den "bahnbrechenden Berechnungen" des Verkehrsministeriums beschäftigt sich der Bad Oeynhausener Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstag kommender Woche. In der Ausschuss-Vorlage werden 779 Millionen Euro für den zweigleisigen Ausbau und eine Elektrifizierung zwischen Löhne und Elze (bei Hameln) angeführt. Was laut Berechnung des Bundesverkehrsministeriums ein Kosten-Nutzenfaktor von 2,5 ergebe. Die mit der gleichen Zielrichtung (Berlin) geführte Neubaustrecke Minden-Haste-Seelze wird mit höheren Kosten von 1,040 Millionen Euro und dem schlechteren Kosten-Nutzenfaktor von 1,0 angegeben.

In der Summe läuft für die Ministerialen offenbar alles auf eine Südlösung hinaus. Was Peter Thielscher vom Fachbereich Bauen und Planung der Stadt Bad Oeynhausen in der Ausschussvorlage folgern lässt: "Dieses kann die Stadt so sicherlich nicht akzeptieren."

Quelle: NW vom 10.03.2011