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Atemberaubende Minuten am Rednerpult

Presse

Möllberger Lars Backhaus (SPD) spricht im Jugend-Landtag / Deutschland- und Europafahnen an den Schulen?

Porta Westfalica-Möllbergen (va). Flattert die Deutschlandfahne bald über der Gesamtschule und die Europaflagge gleich daneben? Falls ja, hat Lars Backhaus seinen Teil dazu beigetragen.

Der 17-Jährige hat im Jugendlandtag seine Hand für die dauerhafte Beflaggung an öffentlichen Gebäuden, insbesondere Schulen, gehoben. "Europa voran bringen" lautete neben "Schulen sollen Ehrenämter fördern" die beiden großen Themenblöcke, über die 181 "Nachwuchsparlamentarier" beim dritten Jugendlandtag NRW debattiert haben. Ob ihre Beschlüsse umgesetzt werden, ist noch nicht klar. Auf jeden Fall wird sich der "richtige" Landtag mit den Vorschlägen der Jugendlichen befassen.

"Atemberaubend" nennt Lars Backhaus seine Düsseldorfer Erlebnisse. Der Möllberger war im vorigen Jahr in die SPD eingetreten, bewarb sich nun um einen Sitz im Jugendlandtag, und durfte Anfang Oktober drei Tage lang den Platz der heimischen Abgeordneten Inge Howe einnehmen.

Von einer Sitzung gleich in die nächste

Am spannendsten war die dreiminütige Rede, die der Gesamtschüler im voll besetzten Plenarsaal vor 180 Jugendlichen halten durfte. "Ich war unglaublich aufgeregt", erzählt Backhaus. "Am Anfang habe ich etwas gestottert, und als ich richtig drin war, war die Zeit auch schon vorbei."

Trotzdem gab´s nachher Applaus. Backhaus machte sich für die Beflaggung stark, erinnerte an die Deutschlandfahnen während der Fußball-WM und das positive Gemeinschaftsgefühl, die integrative Wirkung. Am Ende setzte sich im Jugendlandtag eine deutliche Pro-Flagge-Mehrheit aus SPD, CDU und FDP durch.

Irritiert hat Backhaus, dass nicht nur die Linken, sondern auch die Vertreter der Grünen vehement gegen die Fahnen stimmten. Deren Argument zufolge erinnere solch eine intensive Beflaggung an NS-Zeiten. Lars Backhaus hält das für absurd.

Vor den entscheidenden Abstimmungen mussten die Jugendlichen einen regelrechten Sitzungsmarathon absolvieren. "Wir sind nur rumgerannt, von einer Sitzung in die nächste." Wie im richtigen Politikerleben. Arbeitskreise wurden gebildet, Experten angehört, es gab Fraktions-und Ausschusssitzungen, Plenumsdebatten mit 40 Reden und am Ende die Abstimmungen.

Lars Backhaus überraschten die in vielen Fragen übereinstimmenden Ansichten von SPD, CDU und FDP. In seiner Fraktion (67 Abgeordnete) wurde darüber auch kritisch gesprochen. Manche meinten, man solle sich als Sozialdemokrat doch bitteschön etwas mehr abgrenzen.

Damit bei dem intensiven Gedankenaustausch den Rednern nicht die Spucke wegblieb, musste auf Flüssigkeits-Nachschub geachtet werden. Dafür war sich auch die Ministerpräsidentin nicht zu schade. Als sie kurz in die Fraktionssitzung hereinschaute, wurde sie im kumpelhaften Genossenton aufgefordert: "Hannelore, besorg´ mal bitte was zu trinken." Was Hannelore Kraft dann auch prompt veranlasste.

Die Tage in Düsseldorf haben Spaß gemacht und Lars Backhaus motiviert, politisch am Ball zu bleiben. Bildung ist sein Steckenpferd, er möchte für die Gemeinschaftsschule werben.

Kritik an Portaner Schulpolitik

Die Portaner Bildungspolitik betrachtet der Möllberger mit Skepsis. Vor allem regt ihn die Schließung der örtlichen Grundschule auf. Das Thema ist ein Dauerbrenner, auch im SPD-Ortsverein, dem Lars Backhaus angehört. Ihm fallen einige Argumente für den Erhalt der Schule ein. Insbesondere beklagt er den fehlenden Informationsfluss zwischen Verwaltung und Politik auf der einen Seite und den Bürgern auf der anderen. "Das habe ich auch dem Bürgermeister gesagt."

Ob der Zwölftklässler eines Tages im Portaner Rat sitzen wird? Vielleicht. "Zunächst sind Schule und Studium wichtig", sagt er. Und sollte er wieder einmal eine Rede halten, so seine Lehre aus Düsseldorf, will er sich besser vorbereiten. "Den Abend zuvor hätte ich dafür nutzen sollen", meint er selbstkritisch. Doch den verbrachte er in fraktionsübergreifender Geselligkeit beim sogenannten "außerparlamentarischen Abend". In einer Cocktailbar.

Quelle: MT vom 16.10.2010