Happy End einer scheinbar unendlichen Geschichte: Lückenschluss an der Eisberger Straße eingeweiht
Porta Westfalica-Lohfeld (Ly). Rolf Breuker schlägt vor, den Radweg jetzt einmal anzusehen. „Wenn Ihr ihn denn findet“, ruft ein Lohfelder dazwischen.
„Wir haben genug Spürhunde dabei“, kontert Breuker, der Schriftführer des Kulturausschusses, in dem die örtlichen Vereine organisiert sind. Ausgerechnet am Tag seiner Einweihung liegt der neue Lohfelder Radweg, der an der Eisberger Straße eine Lücke schließt, unter einer dichten Schneedecke. Wo die 920 Meter lange Route verläuft, lässt sich nur erahnen. Dennoch machen sich rund 50 Einwohner freudig auf den Weg, bei der Witterung natürlich zu Fuß.
Anna-Lena Lüters und Anja Buck haben ebenfalls einen „Spürhund“ mitgebracht, Dackel Yessi. Aus Kindern wurden Leute, und im Alter von 25 Jahren dürfen die jungen Frauen an diesem Samstag einen Erfolg feiern, für den sie als Schülerinnen angefangen haben zu kämpfen. „Der Radweg ist mein Lebenswerk“, scherzt Anna-Lena Lüters.
Fakt ist: Im März 2000 hatten Portaner Schüler, angeführt von der damaligen Ratsfrau Birgit Meier-Mundhenke, der Mindener Bauamtskommission eine Liste mit 358 Unterschriften überreicht. Der Rad- und Gehweg wurde daraufhin in eine Prioritätenliste aufgenommen. Hartnäckigkeit hatte sich ausgezahlt.
„Die Geschichte dieser Baumaßnahme ist ein Beispiel für die Bedeutung der Beteiligung von Bürgern an der Gestaltung kommunalpolitischer Aufgaben und Entscheidungen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Karl-Erich Schmeding und rät, nie zu früh aufzugeben. Ausgegangen sei die Initiative für den tatsächlichen Ausbau vor zehn Jahren von Jugendlichen.
Genau genommen beginnt die Geschichte weitaus früher, mit ersten Überlegungen vor vielleicht 25 Jahren, so genau weiß man das in Lohfeld nicht mehr. Fest steht, dass das Westfälische Straßenbauamt 1995 erste Planungen und Kostenschätzungen aufgestellt hatte, eine Ausführung jedoch am fehlenden Geld scheiterte. Dann kamen die Schüler und machten Druck, gestärkt durch Beschlüsse von Portaner Ausschüssen.
Erst im September 2004 erging nach langwierigen Grundstücksverhandlungen der Planfeststellungsbeschluss – und wieder war kein Geld da. Es bedurfte noch einer Resolution des Bezirksausschusses, bevor weitere Gespräche dazu führten, dass der Radweg in der Prioritätenliste nach oben rückte. Ende vergangenen Jahres begann endlich der Bau zwischen den Einmündungen Lohfelder Straße und Am Böhnenbusch.
Einen sicheren Schulweg hätten sich auch Anja Buck und Anna-Lena Lüters gewünscht. „Das Stück haben wir immer gemieden“, erzählt Anja Buck. Zu Fuß oder mit dem Rad wurden Umwege in Kauf genommen, zumindest während der Grundschulzeit mussten häufig die Eltern fahren. Dass die scheinbar unendliche Geschichte nun ein Happy End gefunden hat, empfinden die Frauen und ihre Mitstreiter als späten Triumph.
Aus 80 000 Mark werden 140 000 Euro
„Wenn sie nicht darum gekämpft hätten, wäre nichts daraus geworden“, glaubt Dr. Manfred Horter vom Regionalrat. Gekostet hat der Radweg, gebaut mit Sicherheitsabstand zur schmalen Eisberger Straße, rund 140 000 Euro. Vor zehn Jahren war in Schätzungen noch von 80 000 die Rede – allerdings D-Mark. In der ursprünglichen Planung, so Horter, sei von 450 Metern ausgegangen worden. Später wurden 600 daraus, dann 800 und heute real existierende 920 Meter.
„Das ist schon mal positiv“, meint die Landtagsabgeordnete Inge Howe. „Ich hoffe, die nächste Maßnahme dauert keine 20 Jahre.“
Bildunterschrift:
Erste Begehung: Anja Buck (l.) und Anna-Lena Lüters freuen sich über den neuen Radweg, der noch unter Schnee liegt. Rund 50 Lohfelder und Gäste waren Samstag unterwegs. Foto: Lyrath
Quelle: MT-Online vom 18.01.2010