Minister kommt zum offiziellen Start für Bioabfall-Gasprojekt in den Kreis Minden-Lübbecke
Minden/Hille (mt). Der Kreis Minden-Lübbecke liege nicht nur geographisch "ganz oben" im Lande NRW, sondern sei auch bei der Energiewende Spitze, informierte Landrat Dr. Ralf Niermann den Gast aus Düsseldorf.
Der, NRW-Wirtschafts- und Energieminister Harry K. Voigtsberger, bestätigte nach dem Fachvortrag von Kreisbaudezernent Jürgen Striet, dass der Kreis mit seinem Energiekonzept eine nachahmenswerte Vorreiterrolle spiele.
Grund für den Besuch aus der Landeshauptstadt im Entsorgungszentrum Pohlsche Heide am Tag vor Heiligabend war der Startschuss für eine Pilot-Energieeinrichtung, mit der aus der im Biomüll enthaltenen Energie Strom und Wärme für Einrichtungen des Kreises, wie das Kreishaus, die Berufskollegs, das Krankenhaus Bad Oeynhausen und die Kampa-Halle gewonnen wird.
Auf den berühmten Druck auf den roten Knopf zum Start der Energieumwandlungsanlage musste der Minister aber verzichten. "Der Betrieb läuft schon und bei einem Pilotprojekt wollten wir sicher sein, dass es auch funktioniert zur offiziellen Einweihung", fiel Striet als Erklärung ein.
Auf die Frage eines Japaners, ob die hohen Ziel der Energiewende in Deutschland nicht eine Sackgasse sein könnten, habe er geantwortet, dass dies "der geniale Weg in die Zukunft" sei, begann Voigtsberger seinen Beitrag zur Eröffnung. Er sprach sich dabei klar für die Verstromung von Kohle in hochmodernen und hocheffizienten Kraftwerken als Brückentechnologie aus. Der Wandel müsse aber ökonomisch sinnvoll sein. "Wir haben nichts davon, wenn energieintensive Industrien wegen anderswo kostengünstigerer Energie unser Land verlassen," warb Voigtsberger dafür, die "Anpassungsprozesse erträglich zu gestalten". Im Dialog der Akteure müsse darüber ein gesellschaftlicher Konsens erzielt werden.
Gleichwohl sei in der Energiewende gerade auch für NRW eine Chance zu sehen, die man nützen müsse. Und der Kreis Minden-Lübbecke mit seinem Energiekonzept zeige, dass das auch im ländlichen Raum möglich sei. "Sie müssen damit rechnen, dass Sie viele Nachahmer finden und ich hoffe das," schloss Voigtsberger.
Das Energiekonzept war ihn und den anderen Gästen des Einweihungsaktes - darunter auch víele aus den niedersächsischen Nachbarkreisen - auf den Gelände des Entsorgungszentrums von Kreisbaudezernent als 15teiliges Puzzles vorgestellt worden, bei dem jedes Teil in ein anderes greift. Eines der Kernstücke ist dabei die Umwandlung von Gasen, die sich bei der Umsetzung des grünen Abfalls aus den Biotonnen in Gartenerde bilden. Diese Biogase in solche von Erdgasqualität umzuwandeln, ins Netz einzuspeisen und an anderer Stelle für den Betrieb von Blockkraftheizwerken zu verwenden, ist das neue an diesem Zehn-Millionen-Euro-Projekt. "Wir haben hier draußen Millionen Kubikmeter Gasenergie, aber keinen direkten Abnehmer dafür", sagte Striet.
Landrat Dr. Ralf Niermann hatte zuvor die Bedeutung skizziert, die der Mühlenkreuis der Energiewende "als eine der größte Herausforderungen unserer Zeit" beimisst. Seit Jahren würden neue Wege in der Energiesorgung probiert und gegangen. Und zahlreiche Projekte zeigten, dass sich erneuerbare Energien und Wirtschaftlichkeit nicht ausschlössen. "Die Energiewende hat viele Chancen, auch für den Kreis als Wirtschaftsstandort", nannte Niermann einen wenig genannten Vorteil.
Nun sei es Zeit, die bisherigen Projekte und die noch auszuschöpfenden Ressourcen in einem breiten Konsens zu koordinieren, Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, sagte der Landrat und nannte dazu die Erarbeitung einer mittel und langfristigen Zielkonzeption zur "klimaschonenden, landschaftsverträglichen und effizienten Energieversorgung mit erneuerbaren Energien im Kreis Minden-Lübbecke", die nach Vorarbeiten im Kreishaus und im Entsorgungszentrum im kommenden Jahr gestartet werden soll. Daran sollen viele Institutionen, Branchen und Interessentenkreise teilnehmen.
Bildunterschrift: Gaben den offizielen Start für die Anlage frei, die Bioabfallgas in Erdgasqualität umwandelt: (v.). Landtagesabgeordnete Inge Howe ( NRW-Wirtsctfsund- Energieminieter Harry K. Voigtsberger, landrat Dr. Niermann. Kreis Baudezentent Jürgen Steiet und GvOa- Gescgäftsfüher Burkhart Schulte. | Foto: pr/Oliver Roth
MT online vom 24.12.2011