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Im "Raum der Stille" zur Ruhe gelangen

Presse

Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Schule Mindenerwald / Neue Räume mit Schulministerin offiziell eingeweiht

Minden/Hille (cko). Diese Schule ist anders. In den Klassen unterrichten immer zwei Lehrer, es gibt keine Jahrgangsstufe - und 60 Prozent der Schüler sind gar nicht vor Ort. Gemeint ist die "Schule Mindenerwald".

Zwei Jahrzehnte besteht sie. Ihre Aufgabe ist, Kinder mit Förderbedarf für den Unterricht in einer "normalen Schule" fit zu machen. Die Bilanz lässt sich sehen. "Etwa 75 Prozent der Schüler konnten wieder am Unterricht in ihrer Regelschule teilnehmen", sagt Landrat Dr. Ralf Niermann beim Festakt am Samstagmittag. Er spricht von einer bestmöglichen Förderung, die vor allem eines verhindere: dass die Kinder ausgegrenzt werden.

Das Konzept wird in der Feierstunde ausgiebig gewürdigt. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Bündnisgrüne) zeigt sich in ihrer 20-minütigen Rede als leidenschaftliche Befürworterin der sonderpädagogischen Förderung. Sie erinnert daran, dass die Schule Mindenerwald Teil eines Schulversuchs sei, der den Rechtsanspruch von Kindern mit Behinderungen weiter stärke. Die Ministerin würdigte die bisherigen Erfolge der sogenannten "inklusiven Bildung", in der gerade die Unterschiede als normal angesehen werden.

Löhrmann sieht in dem Konzept mehr Chancengleichheit. Schüler mit Behinderungen könnten sich darin bestens entfalten. "Das ist bereichernde, gelebte Vielfalt", sagt sie. Die Kinder hätten dadurch die Möglichkeit, sich an den allgemeinen Schulen als ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu entwickeln. Noch stehe man mit dem Konzept am Anfang - und die nächsten Schritte müsse man vorsichtig und sorgsam gehen. "Aber wir müssen uns auf den Weg machen, um dieses wichtige Ziel zu erreichen."

Dass an einem solchen Tag nur lobende Worte fallen, versteht sich. Doch Fördervereinsvorsitzender Jan Rüter blickt in seiner Rede auch bewusst über den Tellerrand hinaus - und spricht offen die Problematik an, mit der sich Kinder mit Behinderungen in ihrer Schulzeit auseinanderzusetzen haben.

Motivierende Erfolge

Die "Schule Mindenerwald" nennt er ein Sprungbrett, und: "Wir unterstützen die Regelschule." Ähnliche Worte findet (auf englisch) auch Ángel Bolaños Ansótegui. Der Schulleiter der spanischen Partnerschule erzählt von den "motivierenden Erfolgen" an seiner Schule. Auch er kann davon berichten, dass viele Kinder schon nach einer relativ kurzen Förderzeit wieder in einer Regelschule gut mitkommen.

Schulleiterin Uta Gesenhues blickt in ihrer Ansprache vor rund 150 Gästen zwar zurück, überwiegend aber nach vorne. "Ich freue mich, dass wir heute auch die Eröffnung unseres Erweiterungsbaus feiern dürfen", sagt sie. 640 000 Euro habe der Trakt gekostet, der aus dem Konjunkturpaket II finanziert sei. Zwei neue Klassenzimmer mit Gruppenräumen sind in knapp einjähriger Bauphase entstanden. "Die Raumnot ist endlich vorbei."

73 Kinder werden zurzeit in der Schule (oder in anderen Schulen im Kreis) unterrichtet. Dank eines neuen Anstrichs wirkt die Schule Mindenerwald insgesamt wie neu. Und entgegen dem allgemeinen Trend nimmt die Schülerzahl seit Jahren zu, was aber nach Worten von Uta Gesenhues die intensive Betreuung nicht negativ beeinflusst. "In unseren Klassen sind maximal 14 Schüler. Da kann auf jedes Kind gezielt eingegangen werden."

Konzept der Schule

Wie sehr sich das Konzept der Schule von anderen unterscheidet, wird an einigen Stellen deutlich. "Wir sehen uns als Begleiter", sagt Uta Gesenhues im Gespräch am Abend nach der Feierstunde. Es gelte, einen Zugang zu den Schülern zu bekommen, um ihnen einen Weg ebnen zu können.

Dass die Kinder dieser Schulform häufig auch sehr emotional seien, klingt (auch) in ihren Worten durch. Im neuen Gebäudeteil wird darauf Rücksicht genommen, denn: Es gibt dort den sogenannten "Raum der Stille", der mit einem gemütlichen Sofa und weichen Sitzkissen ausgestattet ist. Und im "Falle eines Falles" können sich aufgebrachte Schüler dort "entspannen".

Bildunterschrift:
Landrat Ralf Niermann (v.l.), Hilles Bürgermeister Michael Schweiß, Schulleiterin Uta Gesenhues, Landtagsabgeordnete Inge Howe, Schulministerin Sylvia Löhrmann, Kreisdezernent Jürgen Striet und Bundestagsabgeordnete Ute Koczy eröffnen den neuen Gebäudetrakt der Schule Mindenerwald offiziell.

Quelle: MT-online vom 16.05.2011