MT-Foto: Langenkämper Minden (mt). Der Weg zum Erfolg ist von Erfindungen gepflastert. Kleine pfiffige Ideen hat Karin Ressel zu Hauf gehabt - alles mit dem Ziel, junge Mädchen für gewerblich-technische Berufe zu begeistern. Jetzt hat sie für den von ihr konzipierten Berufsparcours eine Goldmedaille erhalten.
Es ist nicht so, dass die Prophetin im eigenen Land nichts gilt. Aber die Anerkennung für die Geschäftsführerin des Technikzentrums des Kreises Minden-Lübbecke kam in diesem Fall von außen. Bei der internationalen Erfindermesse in Nürnberg, der "Ideen - Erfindungen - Neuheiten", der IENA 2007, begeisterten die Angebote des in Hille entwickelten und mithilfe von heimischen Firmen und Schulen in die Tat umgesetzten Berufsparcours Besucher und Juroren so sehr, dass Karin Ressel für "hervorragende Leistungen" eine von 15 Goldmedaillen verliehen wurde.
"Wir haben schon 440 Übungsaufgaben entwickelt", sagte Karin Ressel am Montag am Leo-Sympher-Berufskolleg (LSBK), wo die Auszeichnung jahrelanger systematischer Technikausbildung in einem Kreis von Mitstreitern vorgestellt wurde. Prompt hatte die studierte Verwaltungswirtin, deren die eigentlich Maschinenbauingenieur hatte werden wollen, die neueste Übungsstation, eine Ölwanne, vor. Daran sollen junge Mädchen - und zunehmend auch immer mehr Jungen - bei einem Besuch des Berufsparcours bei Berufsbildungsmessen und an Schulen selbst testen können, ob der Umgang mit flüssigen Schmierstoffen "ihr Ding" ist.
"280 000 Jugendliche haben den Berufsparcours schon absolviert", nannte Ressel handfeste Zahlen. Den schriftlichen Berufstest - mit 20 Fragen aus verschiedenen Wissensgebieten - haben schon mehr als 500 000 Interessierte aus dem Internet heruntergeladen.
Ihren besonderen Dank richtete Karin Ressel an Inge Howe. Die Landtagsabgeordnete habe auf Landesebene viele Wege geöffnet. "Heute besuchen schon ganze Schulklassen den Berufsparcours", freute sich die Politikerin, dass ihre Unterstützung auf solch fruchtbaren Boden fiel.
Als stellvertretende Landrätin begrüßte Birgit Härtel, dass durch das Engagement Karin Ressels Mädchen an technische Berufe herangeführt werden. Viele ihrer Ideen seien schon aufgegriffen worden. Deshalb wurden bereits Akkuschrauber für die kleineren Hände von Frauen entwickelt.
Aber auch Jungen profitieren von dem ursprünglich für Mädchen gedachten Berufsparcours. "Wir stellen fest, dass Jugendliche in den Familien nicht mehr wie noch vor 15 bis 20 Jahren lernen, mit technischen Gerätschaften umzugehen - außer mit der Computertastatur", bedauerte LSBK-Schulleiter Kurt Gieselmann. "Logische Konsequenz" sei daher gewesen, das System auch für Jungen bereitzustellen.
Heinrich Klöpper von der Agentur für Arbeit, die den Berufsparcours zu 50 Prozent finanziell fördert, lobte, dass Berufsorientierung dadurch für Jugendliche "richtig griffig" werde. Doch diese Arbeit ist nicht nur aus Sicht von Jugendlichen wichtig. Vor allem weniger bekannte kleine Firmen im gewerblich-technischen Bereich stünden vor Problemen, an Auszubildende heranzukommen, berichtete Katja Brockmann von der IHK. Daher sei der Berufsparcours des Technikzentrums eine "super tolle Idee".
Für den Vorstand des 1991 gegründeten Technikzentrums sagte Susanne Steuber: "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir eine solche Vordenkerin als Geschäftsführerin haben." www.berufsparcours.de
Aus: MT vom 01.04.2008