
NRW-Landesbehindertenbeauftragter Norbert Killewald besucht Schule am Weserbogen
Bad Oeynhausen-Eidinghausen (WB). »Wir möchten uns zugehörig fühlen.« Ann-Kathrin Hauptmeier hat gestern die Gelegenheit genutzt und dem NRW-Landesbehindertenbauftragten Norbert Killewald ihre Bedürfnisse und Ängste als Kleinwüchsige zu erzählen. Der Politiker hat die Schule am Weserbogen besucht.
»Wir haben den Auftrag von der Europäischen Union, eine Inklusion von förderungsbedürftigen Kindern voranzutreiben. Um die richtigen Gesetze für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern zu erlassen, möchte ich einen Einblick in die Praxis bekommen«, erklärt Norbert Killewald. »Wir befürworten die vorgesehene Inklusion, jedoch dauert das Verfahren wesentlich länger als wir dachten«, erzählt die Leiterin der Schule am Weserbogen, Marion Gauert. Sie fühle sich durch die Regierung ausgebremst, da die gesetzlichen Regelungen noch nicht festständen. »Die Inklusion ist ein langwieriger Prozess, der bestimmt 20 bis 30 Jahre dauern wird«, sagte Norbert Killewald.
Schließlich müssten dabei die Schulen, das Jugendamt, das Gesundheitsamt und auch das Sozialamt zusammenarbeiten - eine schwierige Aufgabe neben der Schaffung von Ressourcen und baulichen Maßnahmen. Denn viele körperlich behinderte Kinder scheiterten oft schon daran, eine Regelschule zu betreten, wenn diese nur über Treppenstufen für sie zu erreichen sei. Die Größe der Klassenräume reiche nicht aus, es gebe oft keine Fahrstühle und die Waschbecken und Toiletten würden zu hoch an den Wänden hängen.
In Italien und Schweden gingen bereits 60 Prozent der förderungsbedürftigen Schüler gemeinsam mit den anderen Kindern zur Schule. »Aus den Erfahrungen steht jedoch fest, dass es nicht möglich ist, dass alle Kinder zusammen lernen können. Etwa fünf bis zehn Prozent besuchen auch in Italien und Schweden eine separate Förderschule«, sagte Norbert Killewald in diesem Zusammenhang.
Auch die Jugendlichen der Schule am Weserbogen konnten dem Landesbehindertenbeauftragten Norbert Killewald ihre Bedürfnisse und Probleme schildern. »Ich würde mich sehr freuen, unter nichtbehinderten Kindern die Schule zu besuchen. Ich habe nur Angst, nicht angenommen und ausgeschlossen zu werden«, erzählt Robert Block. Solche Erfahrungen habe Ann-Kathrin Hauptmeier bereits gesammelt.
Die Kleinwüchsige hat eine reguläre Grundschule besucht. »Als ich auf die Schule am Weserbogen wechselte, war ich froh, so angenommen zu werden, wie ich bin. Komische Blicke sind mir seitdem erspart geblieben«, erzählt die 17-Jährige. Nach ihrem Abschluss will sie es trotzdem nochmal versuchen und im kommenden Schuljahr auf ein Berufskolleg in Minden wechseln. »Ich möchte später im sozialen Bereich tätig sein.« Die Inklusion sei nicht nur für förderungsbedürftige Kinder eine Verbesserung, sondern auch nichtbehinderte Kinder könnten von der Zusammenführung profitieren. »Die Gesellschaft soll dadurch zusammenwachsen und Vorurteile sollen abgebaut werden. Wenn die Kinder von klein auf zusammen lernen, dann ist das Anders sein irgendwann normal«, sagt Norbert Killewald.
Ab dem kommenden Schuljahr sollen Eltern die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob ihr behindertes Kind eine Regel- oder eine Förderschule besuchen soll.
Bild: Gregor Fendel (stellvertretender Schulleiter, von links), Tim Kluger (Pfleger), Inge Howe (Landtagsabgeordnete), Ann-Kathrin Hauptmeier, Annette Traud (LWL-Schuldezernentin), Marion Gauert (Schulleiterin), Robert Block, Dr. Olaf Winkelmann (SPD-Fraktionsvorsitzender), Norbert Killewald und Heidemarie Schönrock-Beckmann (LWL-Schulverwaltung Bielefeld) haben sich ausgetauscht. Foto: von Hollen
Quelle: WB vom 02.03.2012