
Minden: Verkehrsexperten der SPD-Landtagsfraktion, an deren Spitze ihr Sprecher Dieter Hilser sowie der Vorsitzende des Ausschusses Bauen und Verkehr Nordrhein Westfalen Wolfgang Röken, der Bundestagsabgeordnete Lothar Ibrügger und Mindens Bürgermeister Michael Buhre informierten sich diese Woche vor Ort über den Standort der Deutschen Bahn Systemtechnik in Minden.
Anlässlich einer auswärtigen Sitzung des Arbeitskreises Bauen und Verkehr der SPD-Landtagfraktion, die auf Initiative des heimischen Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Haseloh stattfand, wurde die Delegation im ehemaligen Regierungsgebäude zu Minden vom Geschäftsführer der DB-Systemtechnik Klaus-Albert Bolten empfangen: „Von den 950 Beschäftigten an unseren drei Standorten in München, Brandenburg und Minden arbeiten allein 550 Beschäftigte hier in der Domstadt.“ Darüber hinaus sei die Leitung des Unternehmens in dem historischen Gebäude angesiedelt, dass bis 1947 noch Sitz der damaligen Bezirksregierung gewesen ist. Jetzt tüfteln und prüfen dort 170 Ingenieure und Techniker an neuen Fahrzeug- und Bremstechniken moderner Bahnsysteme.
Das Unternehmen nimmt nicht nur Aufträge für die Deutsche Bahn entgegen. „Mittlerweile kommen fünfzig Prozent unserer Arbeitsaufträge von außerhalb“, erklärte Bolten. So werden derzeit zum Beispiel fahrtechnische Versuche in Spanien durchgeführt. Auch die Fahrversuche des Hochgeschwindigkeitszugs von Siemens für die olympischen Spiele in China werden von Mitarbeitern der Mindener DB-Systemtechnik betreut.
„Wir betreuen den gesamten Lebenszyklus neuer technischer Bauteile von der Weiterentwicklung, Systemverträglichkeit über die Prüfung und Freigabe bis hin zur Ausmusterung“, so Bolten. Beispielsweise kam aus Minden die technische Lösung zur Problembehebung verspäteter Züge infolge von Llaub auf den Bahnschienen. Viele Bahnreisende waren noch im Herbst letzten Jahres davon betroffen.
„Das Wissen und die Erfahrung dieser hochqualifizierten Mitarbeiter wird europa- und weltweit abgefragt“, erklärten Lothar Ibrügger, Karl-Heinz Haseloh und die Mindener Abgeordnete Inge Howe. „Umso wichtiger ist es, den einzigen Standort hier in Nordrhein-Westfalen zu stärken“. Womit beide auf die aktuelle Diskussion über den von der Landesregierung forcierten Verkauf des Regierungsgebäudes anspielen, in dem die DB-Systemtechnik ihren Sitz hat. „Was hier stattfindet, ist Einzigartigkeit und muss hier bleiben“ so die drei SPD-Abgeordneten. Seit dem letzten Jahr wird die Liegenschaft im Besitz des Landes NRW von einem Maklerbüro aus Bielefeld vermarktet. Ein amerikanischer Investor hat mittlerweile Interesse am Kauf geäußert.
Haseloh: „In den vergangenen Jahren hat sich ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen den drei Standorten der DB Systemtechnik entwickelt.“ Einer erneuten Standortdiskussion erteile er deshalb eine deutliche Absage. „Doch Münchens bestreben, die Standortaufgaben von Minden zu übernehmen, ist immer gegenwärtig“, warnte auch Ibrügger. Unabhängig von bestehenden Mietverträgen sei die Verkaufsdiskussion der Liegenschaft am Weserglacis deshalb „schädlich und der wirtschaftliche Schaden für Minden enorm“.
Vor diesem Hintergrund haben sich Bürgermeister Buhre, Landrat Dr. Niermann und Bundestagsabgeordneter Ibrügger schriftlich an NRW-Ministerpräsident Rüttgers gewandt und ihn aufgefordert, sich für den Standort Minden „und damit für die DB-Systemtechnik am Standort Nordrhein-Westfalen auszusprechen.“ Buhre: „Der Name DB-Systemtechnik hat international einen hervorragenden Ruf“. Eine Antwort auf das Schreiben vom 10. Dezember 2007 liegt bislang jedoch nicht vor.