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Ein Stopp-Signal für die Südtrasse

Presse

Regionalkonferenz verabschiedet Resolution gegen den zweigleisigen Ausbau der Südbahn-Strecke

Bad Oeynhausen. Sie haben Grenzen überschritten: die zwischen Parteien, aber auch die zwischen Städten und Bundesländern. Über 150 Bürger und Politiker aus Bad Oeynhausen, Löhne, Vlotho, Hameln und Coppenbrügge waren sich gestern Abend auf der Regionalkonferenz "Südbahn" einig: Die Südtrasse darf nicht ausgebaut werden. Das unterstrichen die Anwesenden mit einer Resolution und einer Petition an den Bundestag."Ich hoffe, dass Bundesverkehrsminister Ramsauer ernst nimmt, was Sie heute hier sagen", wünschte sich der Landtagsabgeordnete Hans-Christian Markert (Grüne).

Ganz im Eisenbahn-Jargon war gestern viel von Signalen die Rede, von Weichenstellungen. "Der Schlüssel, diese Weiche neu zu stellen und den Ausbau der Südtrasse zu verhindern, liegt in Bad Oeynhausen", sagte Lothar Ibrügger. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Ex-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium hatte Anfang des Jahres auf die Pläne für einen möglichen Ausbau der Südbahntrasse zwischen Löhne und Hildesheim aufmerksam gemacht.

Ibrügger blickte aber zuerst zurück. "Als die Bahn in den 80er Jahren das zweite Gleis der Südbahn abbaute, haben wir dagegen protestiert", erinnerte sich Ibrügger. "Wir befürchteten, dass die Kurstadt Bad Oeynhausen vom Personenverkehr abgehängt würde."

Schon in den 90er Jahren sei der Plan für einen erneuten zweigleisigen Ausbau auf den Tisch gekommen – aber unter neuen Vorzeichen. "Von 180 Zügen am Tag war damals schon die Rede, zwei Drittel davon Güterzüge", so Ibrügger. Der Plan schlief zunächst ein, wurde dann aber 2000 wieder aktuell. "Da schon haben wir heimischen Abgeordneten klar gemacht, dass eine solche Güterstrecke zu einer Vernichtung des Kurortes Bad Oeynhausen führen würde", sagte Ibrügger. 2004 habe der Bundestag zugestimmt, diese Ausbaupläne von "vordringlich" in den "weiteren Bedarf" herabzustufen. "Umso überraschter war ich, dass das Thema nun wieder auftaucht, obwohl doch der Gesetzgeber anderes beschlossen hat", so Ibrügger.

Das Parlament, so Ibrügger, werde guten Argumenten folgen. "Nur dürfen wir damit nicht bis 2015 warten." Dann wird der Bundestag über den nächsten Bundesverkehrswegeplan beschließen.

Argumente gegen die Südtrasse sammelten denn auch die Teilnehmer der Regionalkonferenz gestern fleißig. "Die Zahlen der Kosten-Nutzen-Rechnung der Bahn können vorne und hinten nicht stimmen", sagte Dr. Manfred Horter, Mitglied des Regionalrates im Regierungsbezirk Detmold. So sei weder der notwendige Lärmschutz berücksichtigt noch der geplante Ausbau des Regio-Hafens in Minden. "Die Güter von dort auf die Südtrasse zu schicken, würde wohl kaum Sinn machen" so Horter.

Auch den Widerstand der Bürger hätten die Planer wohl nicht berücksichtigt. "Allein auf dem Klageweg könnte der Ausbau um 15 bis 25 Jahre verzögert werden", so Horter.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Howe musste etwas Wasser in den Wein der Südtrassen-Gegner gießen. "Unser Landesverkehrsminister hat die Ramsauer-Pläne überprüft – und dessen Einschätzungen bestätigt", sagte Howe. Aus dessen Sicht mache ein Ausbau der Südtrasse Sinn, wenn eine Bahn-Südumgehung um Hannover gebaut werde. "Aber ich werde da noch einmal persönlich beim Verkehrsminister intervenieren", versprach Howe.

Das sagte auchder Landtagsabgeordnete Christian Dahm aus Vlotho zu: "Mit dieserEinschätzung können wir nicht einverstanden sein."
Wenn er Lärmschutz ernst nehme und gleichzeitig den Güterverkehr auf der Schiene fördern wolle – "dann kann doch Minister Ramsauer nur irren, wenn er den Ausbau der Südbahn will", sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Hans-Christian Marker, der gebürtiger Bad Oeynhausener ist.

Einstimmig verabschiedete die Versammlung eine Resolution gegen den Südbahn-Ausbau. Eine entsprechende Petition soll an den Bundestag gerichtet werden. "Damit können wir den Bundestag zwingen, sich noch in dieser Legislaturperiode mit dem Thema zu befassen", sagte Ibrügger.

Bildunterschrift:
(v.l.) Ernst-August Schrewe, Kai Abruszat, Hans-Christian Markert, Lothar Ibrügger, Inge Howe, Kurt Nagel, Norbert Kortlütke, Stephan Schwartze, Dr. Manfred Horter und Dr. Olaf Winkelmann (Foto: NW)

Quelle: NW vom 03.05.2011

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